Kleine und strukturell schwache Netze bedürfen besonderer Förderung!

Kleine und strukturell schwache Netze bedürfen besonderer Förderung!

DPN-SH-Sprecher Stefan Homann: Die Solidarität unter den Netzen ist hoch

Auf die Schwie
rigkeiten, die
 kleine sowie
 strukturell noch 
nicht so weit entwickelte größere
 Netze haben, hat
 der Dachverband
der Praxisnetze
 Schleswig-Hol
stein GbR (DPN-
SH) in der jüngsten Vergangenheit wiederholt hingewiesen. Es geht für diese Netze darum, den Anschluss an eine professionelle Entwicklung zu halten und als Praxisnetze anerkannt und gefördert zu werden. „Selbst- verständlich arbeitet der Dachverband auch daran, gerade für diese Netze bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen“, sagt Stefan Homann (Tangstedt), Erster Sprecher und Geschäftsführer des DPN-SH, gegenüber perspectiv.

Die Solidarität unter den Netzen ist hoch, so Stefan Homann.

Das betreffe z. B. den im Dachverband organisierten Informationsaustausch, den Transfer von Knowhow sowie weiterführende Kooperationen. „Auch Fusionen kleinerer oder auch größerer schwächerer Netze sind angedachte Szenarien einzelner Netze in Schleswig-Holstein.“ Nach Auffassung des Sprechers wären Anschubfinanzierungen durch die KVSH über die jährliche Fördersumme hinaus „hilfreich und sinnvoll“, denn gut organisierte Praxisnetze können die Versorgung in ihrer jeweiligen Region sichern. „Das wiederum liegt im Interesse aller niedergelassenen Ärzte des Landes, auch derer, die nicht in Netzen organisiert sind und engagiert in ihrem Einzugsgebiet medizinische Versorgung für die Menschen im Land aufrechterhalten.“ Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass die Ärztegenossenschaft Nord das Potential von regionalen Praxisnetzen für die Versorgung schon vor vielen Jahren erkannt habe; diese fördere die Struktur in den Organisationen auf verschiedensten Ebenen. In diesem Zusammenhang ermutigt Stefan Homann „alle Kollegen und Kolleginnen, sich in Netzen zu organisieren oder in ihrer Region ein Netz zu gründen“. Ein regionales gemeinschaftliches Handeln und Austausch schaffe viele Vorteile. Der DPN-SH informiere gerne und begleite dann den Netzaufbau.

Die zweifelsohne wegbrechende ambulante medizinische Versorgung ist die Herausforderung der nächsten Jahre und Jahrzehnte,

stellte der Dachverbandssprecher fest. „Das ist tragisch für die Patienten; sie wird die Qualität der Gesundheitsversorgung nachträglich negativ beeinflussen und die übriggebliebenen Niedergelassenen schwer belasten.“ Diese Problematik werde nicht durch Doc-Mobile oder das ausufernde Delegieren von ärztlichen Leistungen an Arzthelferinnen gelöst werden. Auch nicht durch das Abtreten ärztlicher Kompetenzen an eine, durch die demografische Entwicklung bedingte, mit den eigenen Kernbereichen extrem ausgelastete Pflege und ebenfalls nicht durch Erweiterungen ambulanter Leistungen durch die Kliniken des Landes. Homann: „Auch die Bemühungen der KVSH, dem negativen Trend im Rahmen einer engagierten, hübschen und teuren Kampagne wie Land.Arzt.Leben entgegenzutreten, sind nicht ausreichend effizient.“ Im Gegenteil: Fahrende Praxen und das Verschieben ärztlicher Leistungen seien Offenbarungseide einer missglückten Gesundheitspolitik. Der Abzug von Finanzmitteln aus dem ambulant-ärztlichen Bereich in die Pflege oder den stationären Sektor wird die Versorgungssituation beschleunigen und verschärfen.

Der ambulante Sektor braucht mehr und gezielter eingesetzte Finanzmittel, fordert der DPN-SH.

Kurz- bis mittelfristig müsse deutlich mehr Geld in den ambulanten medizinischen Bereich fließen, so Stefan Homann. Daneben müssen attraktive und flexible Arbeitsbedingungen geschaffen werden und eine konsequente Reduktion der technokratischen und bürokratischen Zwänge und Hürden im Alltag eines niedergelassenen Arztes erfolgen. „Wenn es dann noch gelingt, in Zusammenarbeit mit den Kommunen das Lebensumfeld für einen Arzt günstig zu gestalten, der sich im besten Falle lebenslang an einem Ort niederlassen und dort Versorgung sichern will, sind die Weichen richtig gestellt.“ Die Attraktivität für die Tätigkeit in freier Niederlassung müsse gestärkt werden, „denn niemand versorgt so effizient und auch günstig für das System wie der freiberufliche Arzt!“ In dieser Reihenfolge sollte es geschehen, „denn die ersten beiden Punkte halten die derzeit aktiven Kollegen in ihrer Tätigkeit und verhindern so verfrühten Wegfall durch vorzeitige Aufgabe. Und es sind die bestehenden Praxen, die es gilt zu erhalten und mit Nachfolge zu versehen. Neugründungen werden ungleich schwieriger in der Fläche des Landes zu realisieren sein.“ – Bis die Maßnahmen in der nachfolgenden Arztgeneration Wirkung zeigen werden, können nach Auffassung Homanns gut organisierte Praxisnetze effiziente Maßnahmen zur Versorgungssicherung ergreifen, denn professionell organisierte Praxisnetze sind die Experten ihrer jeweiligen Region. „Sie kennen die strukturelle Versorgungslage, können in netzinterner Kommunikation gemeinschaftlich Nachfolgeregelungen organisieren, gezielter Instrumente wie Zweigpraxen oder Fusionen zu Gemeinschaftspraxen oder überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaften nutzen, Verbundweiterbildungen mit den Kliniken ihrer Region mit dem Ziel eines Heranführens an die Niederlassung organisieren oder Netz-MVZ’s gründen, um Praxissitze zu ‘parken’, indem sie vorerst durch einen oder mehrere angestellte Ärzte bedient werden.“

Das Potential von Praxisnetzen als Leistungserbringer hat der Gesetzgeber mit dem Inkrafttreten des Versorgungsstrukturgesetzes Anfang 2012 erkannt,

stellte der DPN-SH-Sprecher fest. „Deshalb sollten Praxisnetze konsequenterweise endlich als eigene Leistungserbringer nach SGB V anerkannt werden.“ An diesem Schritt werde langfristig ohnehin kein Weg vorbeiführen, denn im Sinne einer Korrektur der versäumten richtigen Weichenstellungen zum Erhalt der ambulanten medizinischen Versorgung und zur Stärkung der freiberuflich tätigen Ärzte erscheine diese Entscheidung überfällig. Stefan Homann: „Es gibt keinen Mitspieler im Gesundheitswesen, der die effiziente ambulante medizinische Versorgung in Ballungsräumen, vor allem jedoch in Flächenregionen so kurzfristig sichern kann wie organisierte Praxisnetze.“

perspectiv 04-2014

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